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Connections

Bart Ensing

Mit Connections verwandelt Bart Ensing einen Baum in ein begehbares Geflecht aus Licht und Linien. Die Installation verbindet Äste und Erde und macht jene unsichtbaren Kräfte sichtbar, die einen Baum mit seinem Ursprung verbinden. 

„Ich möchte, dass Menschen Bäume danach mit anderen Augen sehen.“

Zwischen strenger Geometrie und natürlichem Wachstum entsteht ein stiller Erfahrungsraum, der die Besucherinnen und Besucher einlädt, den Baum aus nächster Nähe zu erleben. Im Schwarzenberggarten antwortet die Arbeit zugleich auf die barocken Sichtachsen des historischen Parks und führt sie in eine neue, organische Ordnung über. Connections schärft den Blick für die Natur – und lässt uns Bäume nach der Begegnung mit der Installation mit anderen Augen sehen.


Lichtblicke
von der Idee zum Werk

Bart, du zeigst bei KLANGLICHT im Park deine Installation Connections. Kannst du uns erzählen, worum es in dieser Arbeit geht?
In Connections verbinde ich die Äste eines Baumes mit dem Boden, aus dem er wächst. Dadurch entsteht ein sehr strenger Rhythmus aus vertikalen Linien. Mich interessiert dabei das Zusammenspiel von Geometrie und Natur: Auf der einen Seite stehen die klaren, geraden Linien, auf der anderen die organische Form des Baumes.
Diese Linien können als Energieströme oder auch als Wasser verstanden werden, das durch den Baum fließt. Gleichzeitig trägt die Arbeit ihren Titel Connections, weil auch die Besucherinnen und Besucher Verbindungen eingehen können – mit der Installation, mit dem Baum und letztlich auch mit sich selbst.
Für Wien möchte ich einen zentralen Baum in den Mittelpunkt stellen und ihn mit den umliegenden Bäumen verbinden. So entsteht ein intimer Raum, den die Menschen betreten, durchschreiten und ganz unmittelbar erleben können.

Das bedeutet, die Besucherinnen und Besucher sollen sich aktiv in der Installation bewegen?
Ja, unbedingt. Mir ist wichtig, dass die Menschen nicht nur davor stehen, sondern hineingehen, sich darin bewegen und den Raum wirklich erleben.

Auf den Fotos deiner bisherigen Arbeiten wirken sie gleichzeitig sehr lebendig und sehr meditativ.
Das stimmt. Natürlich hängt das auch davon ab, wie viele Menschen gleichzeitig dort sind. Im vergangenen Jahr in Leeds waren zeitweise Hunderte Besucher gleichzeitig in der Installation – dann entsteht natürlich eine ganz andere Dynamik.
Es wird aber auch Momente geben, in denen nur wenige Menschen oder vielleicht sogar nur eine einzelne Person darin unterwegs ist. Dann entwickelt die Arbeit eine sehr ruhige, beinahe meditative Atmosphäre.

Ist genau das das Gefühl, das du mit deiner Kunst hervorrufen möchtest?
Vor allem möchte ich Staunen erzeugen. Ich wünsche mir, dass Menschen überrascht sind von dem, was sie sehen.
Mich interessiert vor allem, dass sie Bäume anschließend anders wahrnehmen – intensiver und bewusster als zuvor.
Früher habe ich in ganz anderen Bereichen gearbeitet, unter anderem in der politischen Interessenvertretung. Heute möchte ich jedoch kein Aktivist sein. Ich möchte vielmehr ein Gefühl vermitteln: dass wir Teil der Natur sind. Wenn jemand nach der Begegnung mit meiner Arbeit einem anderen Baum begegnet und ihn plötzlich anders betrachtet, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Man sieht den Baum danach vermutlich nie wieder ganz ohne deine Installation.
Das höre ich tatsächlich oft. Menschen erzählen mir, dass sie jahrelang täglich an einem bestimmten Baum vorbeigegangen sind, ohne ihn wirklich wahrzunehmen. Erst durch die Installation beginnen sie, ihn tatsächlich zu sehen.
Solche Rückmeldungen machen mich sehr glücklich. Genau darum geht es mir: eine Verbindung zur Natur herzustellen. Wenn Menschen dadurch sensibler mit ihrer Umwelt umgehen, ist das für mich das Schönste, was meine Arbeit bewirken kann.

KLANGLICHT im Park beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte des barocken Gartens und seinen Sichtachsen. Wie hast du auf dieses kuratorische Thema reagiert?
Als ich mich mit dem Schwarzenberggarten beschäftigt habe, musste ich zunächst recherchieren, was einen barocken Garten eigentlich auszeichnet. Besonders fasziniert haben mich die klaren Sichtachsen.
Diese Idee möchte ich auch in meine Installation einfließen lassen. Bisher habe ich vor allem über die vertikalen Linien gesprochen, doch zusätzlich werde ich diagonale Verbindungen schaffen. Mindestens eine dieser Achsen soll sich deutlich durch die Installation ziehen.
Wie genau sie aussehen wird, kann ich allerdings erst vor Ort entscheiden. Ich mache zwar einen Plan, aber meine Arbeiten entstehen immer im direkten Dialog mit dem jeweiligen Ort. Ich beginne aufzubauen, gehe durch den Raum, verändere Dinge wieder, nehme Elemente weg und füge neue hinzu. Oft dauert es mehrere Tage, bis sich alles richtig anfühlt.

Die Installation entsteht also erst im unmittelbaren Zusammenspiel mit dem Ort?
Genau. Die Sichtachsen werden ein wichtiger Bestandteil sein. Gleichzeitig interessiert mich aber auch das Gegenteil: die unregelmäßigen, verborgenen Bereiche eines Gartens.
Gerade dieser Kontrast zwischen den strengen Linien und Achsen einerseits und der freien, organischen Form des Baumes andererseits macht den Ort für mich spannend.
Dass der Schwarzenberggarten heute nicht mehr die vollkommen symmetrische Form eines barocken Gartens besitzt, empfinde ich nicht als Verlust, sondern als Bereicherung. Er wirkt dadurch natürlicher – und genau deshalb rücken die Bäume selbst noch stärker in den Mittelpunkt meiner Arbeit.
 


Biografie

Bart Ensing (*1960) ist ein niederländischer Bildhauer und Installationskünstler. In seinen ortsspezifischen Arbeiten verbindet er Natur, Licht und Raum zu poetischen Erfahrungsräumen, die den Blick auf Landschaft und Bäume neu schärfen. Charakteristisch für sein Werk sind feine Linieninstallationen, die organische Formen mit geometrischer Ordnung verbinden und Besucherinnen und Besucher zum bewussten Erleben der Natur einladen. Seine Arbeiten waren auf zahlreichen Lichtkunst- und Land-Art-Festivals in Europa sowie den USA zu sehen.