Domestic & Wild
Katja Paternoster
Die Skulpturen der slowenischen Architektin Katja Paternoster beschreiben das Phänomen der Koexistenz unterschiedlichster Lebewesen in einem gemeinsamen Lebensraum. Die Intention der Künstlerin ist es, die Vielfalt der Tiere aufzuzeigen, die mitten unter uns, und dennoch großteils unbemerkt leben – so auch in Wien.
Wir leben nicht allein in der Stadt.
Städte, so die Künstlerin, sind keineswegs ausschließlich menschliche Räume, sondern komplexe Ökosysteme. Von Haustier bis Wildtier sind Paternosters Skulpturen bewusst aus dem Alltagsmaterial Draht geformt, werden mit Licht inszeniert und tummeln sich dieserart durch den gesamten Schwarzenberggarten.
Für Katja Paternoster ist Licht jenes Element, das den größten Einfluss auf ihre Arbeit als Architektin wie auch auf ihr Leben hat. Denn erst durch den Einsatz von Licht wird Form sichtbar, können Farben und Oberflächen wahrgenommen werden.
Lichtblicke
von der Idee zum Werk
Ihre Installation „Domestic and Wild“ zeigt Tiere, die mitten unter uns leben, aber oft unbemerkt bleiben. Wie entstand die Idee dazu?
Zunächst einmal freue ich mich sehr, Teil der ersten Ausgabe von Klanglicht im Park zu sein. Der historische Schwarzenberggarten neben dem Belvedere ist ein Ort, an dem Natur, Kultur und Geschichte auf besondere Weise zusammenkommen. Genau deshalb fühlt es sich sehr stimmig an, diese Installation gerade hier zu zeigen.
Domestic and Wild besteht aus einer Reihe beleuchteter Tierskulpturen – manche zeigen Haustiere, andere Wildtiere –, die sich über den gesamten Garten verteilen. Mich faszinieren seit jeher jene Tiere, die mit uns in der Stadt leben, ohne dass wir sie wirklich wahrnehmen. Wir betrachten Städte meist als ausschließlich menschliche Räume. Tatsächlich sind sie aber komplexe Ökosysteme.
Eichhörnchen in den Parks, Vögel, die an Gebäuden nisten, Füchse oder Wildschweine, die auf der Suche nach Nahrung bis an die Stadtränder kommen – all diese Tiere passen ihr Verhalten und ihre Lebensweise an, um mit uns gemeinsam in der Stadt leben zu können.
Mit Domestic and Wild möchte ich diese verborgene Ebene des urbanen Lebens sichtbar machen. Dafür übersetze ich die Tiere in Skulpturen aus Drahtgeflecht – einem einfachen, alltäglichen Material. Erst durch das Licht treten sie in der Dunkelheit hervor, ähnlich wie wir auch echten Wildtieren oft nur zufällig begegnen.
Tatsächlich lebt heute sogar wieder ein Fuchs im Schwarzenberggarten.
Ja, und genau solche Beobachtungen interessieren mich. Ebenso wie die Eichhörnchen oder die Pfauen, die historisch eng mit barocken Gärten verbunden sind. Tiere gehören seit jeher zu diesen Orten – manchmal sichtbar, manchmal verborgen.
Wie wünschen Sie sich, dass die Besucherinnen und Besucher Ihre Installation erleben?
Die Tierskulpturen verteilen sich über den gesamten Park. Die Besucherinnen und Besucher entdecken sie nach und nach während ihres Spaziergangs. Ich wünsche mir, dass jede Begegnung überraschend wirkt – fast so, als würde einem tatsächlich plötzlich ein Tier begegnen.
Jede Skulptur erhält ganz bewusst ihren eigenen Platz. Für jedes Tier suche ich einen Standort, der seine Wirkung unterstützt und einen Dialog mit der Umgebung entstehen lässt.
Grundsätzlich versuche ich mit meinen Arbeiten immer, die Identität eines Ortes hervorzuheben. Die Skulpturen selbst bleiben dieselben, doch ihre Umgebung verändert sich ständig. Dadurch entstehen immer neue Beziehungen zwischen Kunstwerk und Landschaft.
Haben Sie ein Lieblingstier?
Ich mag Pfauen sehr.
Aber eigentlich erzählt jedes Tier seine eigene Geschichte. Deshalb fällt es mir schwer, eines herauszugreifen.
Die ersten Tiere entstanden als sogenannte „Nachtbesucher". Während einer nächtlichen Ortsbesichtigung in Ljubljana kreuzte plötzlich ein Fuchs meinen Weg. Daraus entwickelte sich die Idee jener Wildtiere, die nachts in die Städte kommen, um Nahrung zu suchen.
An einem anderen Ausstellungsort gab es Pfauen und Hühner in einem Park – also entstanden daraus neue Figuren. Später, in Graz, begegnete ich den Eichhörnchen, die wiederum Eingang in die Installation fanden.
So ist jedes Tier unmittelbar mit einem bestimmten Ort verbunden. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte unserer urbanen Tierwelt.
Das heißt, Ihre Arbeiten sind immer sehr ortsspezifisch?
Ja, genau. Nichts entsteht zufällig. Jedes Tier hat seinen Grund, Teil einer Installation zu werden. Alles gehört zu einer größeren Erzählung.
Auch der Löwe im Schwarzenberggarten ist also Teil dieser Geschichte?
Ja. Die Geschichte von Prinz Eugens Löwen hat mich sofort fasziniert. Im Belvedere gibt es heute noch Präparate jener exotischen Tiere, die einst dort gehalten wurden. Der Löwe verbindet die Geschichte des Gartens mit der Gegenwart und fügt der Installation eine weitere Ebene hinzu.
Biografie
Katja Paternoster, geboren 1981, ist Absolventin der Fakultät für Architektur in Ljubljana. Sie arbeitet als selbstständige Architektin an verschiedenen eigenen Projekten und kooperiert mit Büros. Ihr Spektrum reicht dabei von Baukunst bis zur Möbelgestaltung. Auch im Bereich Licht-Design ist sie tätig. Ihr Interesse gilt dem Aufzeigen aktueller Themen mit Hilfe von Lichtinstallationen. Ihre Arbeiten waren bereits auf verschiedenen Festivals zu sehen, unter anderem bei der Lighting guerrilla in Ljubljana, bei Visualia in Pula, dem Bellaskyway Festival in Torun und Lumina in Cascais. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet.