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Liminal

Ochoresotto

Liminal beschreibt einen Moment des Übergangs – einen Ort zwischen Wirklichkeit und Illusion. Projektionen auf der Grotte und ihre Spiegelungen auf der Wasserfläche lassen reale und virtuelle Räume miteinander verschmelzen. Perspektiven verändern sich, vertraute Formen lösen sich auf und plötzlich entstehen neue Bilder und scheinbar unendliche Räume.

„Die Grotte ist für uns eine Schwelle – ein Übergang vom Hier und Jetzt zu einem anderen Ort, vielleicht sogar zu einer anderen Dimension.“

Die Installation lädt dazu ein, genau diesen Schwebezustand zu erleben: einen Moment, in dem Grenzen verschwimmen und der Blick nicht mehr eindeutig zwischen Realität und Spiegelbild unterscheiden kann. Der historische Garten wird so zu einem Raum zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Architektur und Landschaft, zwischen dem Sichtbaren und dem Vorgestellten.
Die eigens komponierte Musik von Wolfgang Lehmann verbindet elektronische Klanglandschaften mit Anklängen barocker Motive und verstärkt dieses Gefühl des Übergangs. Gemeinsam entstehen Bild und Klang zu einem atmosphärischen Erlebnis, das den Garten für einen Moment in einen liminalen Raum verwandelt.
 


Lichtblicke
von der Idee zum Werk

Der Titel eurer Arbeit lautet „Liminal“. Der Begriff beschreibt einen Übergang, einen Schwellenzustand. Warum habt ihr euch für diesen Titel entschieden?
Stefan: Der Titel hat sehr viel mit dem Ort zu tun. Barocke Gärten sind sehr stark strukturiert und geometrisch organisiert. Sie wurden gewissermaßen am Reißbrett entworfen. Gleichzeitig wurden diese strengen Ordnungen im Laufe der Zeit durch menschliche Eingriffe und Veränderungen immer wieder aufgebrochen.
Die Grotte sehen wir in diesem Zusammenhang als eine Schwelle: als einen Übergang vom Hier und Jetzt zu einem anderen Ort oder vielleicht sogar zu einer anderen Dimension. Genau dieses Dazwischen steckt für uns im Begriff Liminal.
Lia: Die Grotte ist für uns dabei ganz zentral. Schon durch ihre Architektur und die vorgelagerte Wasserfläche entsteht eine Art Portal. Da ist auf der einen Seite dieses feste, steinerne Bauwerk und davor das Wasser – etwas Bewegliches, Flüssiges, das sich ständig verändert.
Durch die Spiegelung entsteht noch einmal eine zweite Ebene. Das Wasser verdoppelt den Raum und schafft damit schon von sich aus etwas, das zwischen Realität und Illusion liegt. Die Grotte mit ihren drei kleinen Höhlen wird dadurch für uns zu einer Art Tor.
 

Die Sichtachsen des barocken Gartens spielen bei „Liminal“ ebenfalls eine wichtige Rolle. Wie greift ihr diese auf?
Lia: Die Sichtachsen waren von Anfang an ein wichtiger Ausgangspunkt. Im barocken Garten gibt es diese starke Ordnung und sehr bewusste Blickführung. Genau damit wollten wir spielen.
Wir arbeiten auch sonst sehr viel mit Grundformen und grundlegenden Gestaltungselementen: mit Linien, geometrischen Objekten, Mustern und Strukturen, die miteinander interagieren. Bei Liminal treffen diese sehr reduzierten, zeitgenössischen Formen auf barocke Muster und Ornamente. Dadurch entsteht ein Wechselspiel zwischen barocker Übersteigerung und Minimalismus.
Stefan: Diese Linearität ist ja keineswegs etwas, das nur im Barock existiert. Wir finden sie genauso in der Moderne. Deshalb können wir diese beiden Welten gut miteinander verbinden. Im Garten gibt es die langen Fluchten vom Gebäude hinaus in die Landschaft bis zur Grotte. Wir greifen diese Ordnung auf und führen sie mit unseren heutigen Mitteln weiter.
Früher hatte man natürlich keine Projektions- oder Lichttechnik, wie wir sie heute verwenden. Trotzdem wurde bereits mit Tageslicht, Sonnenlicht und Spiegelungen gearbeitet. Auch damals ging es darum, Wahrnehmung zu verändern und mit dem Verhältnis von echt und nicht echt zu spielen. Genau daran knüpfen wir an.
 

Das Wasser vor der Grotte wird also zu einem wesentlichen Bestandteil der Installation?
Lia: Absolut. Die Spiegelung ist für uns ein zentrales Element. Sie schafft eine zweite Dimension und stellt gleichzeitig die Frage, was eigentlich real ist und was nicht. Das ist ein Thema, mit dem wir uns in unseren Arbeiten immer wieder beschäftigen.
Für uns ist dieser Ort deshalb eigentlich ideal: Auf der einen Seite ist die Grotte ein Punkt, an dem sich alles sammelt. Auf der anderen Seite ist sie ein Punkt, von dem alles wieder ausgeht.
 

Auch die Musik nimmt Bezug auf den Barock. Wie funktioniert das Zusammenspiel von Bild und Klang?
Lia: Die Musikkomposition von Wolfgang Lehmann ist stark von barocker Musik inspiriert. Er arbeitet mit Samples aus dieser Zeit und hat sich unter anderem mit Bachs Präludium in C-Dur beschäftigt. Daraus entwickelt sich ein kleines Klavierstück, das schließlich in Synthesizerklänge übergeht.
Uns gefällt genau dieser Übergang: Wir haben etwas, das zunächst historisch klingt, und führen es dann in eine zeitgenössische, elektronische Klangästhetik. Das entspricht auch der visuellen Ebene der Arbeit.
Die Komposition ist über weite Strecken bewusst eher zurückgenommen. Aber natürlich gibt es auch Momente, in denen sie größer und intensiver wird. Denn wenn man sich mit dem Barock beschäftigt, gehört die Übertreibung einfach dazu.
 

Wie soll das Publikum „Liminal“ erleben? Gibt es einen klaren Anfang und ein Ende?
Stefan: Nein, genau das wollten wir vermeiden. Der Park ist ein Ort, durch den man sich bewegt, und genauso soll man auch unserer Arbeit begegnen können. Man soll jederzeit dazukommen und wieder weitergehen können, ohne das Gefühl zu haben, auf einen bestimmten Anfang oder ein großes Finale warten zu müssen.
Die Besucher:innen können selbst entscheiden, wie lange sie bleiben. Vielleicht hat jemand nach kurzer Zeit das Gefühl, genug gesehen zu haben, jemand anderes verweilt länger. Es gibt bewusst keinen einen Moment, auf den alles hinausläuft.
Lia: Trotzdem hat die Arbeit natürlich eine Dramaturgie. Es gibt reduzierte Passagen und dann wieder sehr intensive, fast bombastische Momente. Es wird mehr, dann wieder weniger – ein ständiges Kommen und Gehen. Und egal, an welcher Stelle man einsteigt: Das eine führt irgendwann wieder zum anderen.
 

Ihr habt die Arbeit dennoch in mehrere Kapitel gegliedert. Welche Entwicklung durchläuft sie?
Lia: Am Anfang steht die Vermessung. Der Raum, die Grotte, die Wasserfläche und die Umgebung werden zunächst durch Linien erfasst. Daraus entsteht nach und nach eine Ordnung – und diese Ordnung orientiert sich an der Struktur des barocken Gartens.
Zunächst bleibt alles eher zweidimensional. Danach beginnt eine perspektivische Expansion: Die Formen gehen in den Raum hinein und zugleich über ihn hinaus. Die bestehende Architektur wird durch die Projektion erweitert.
Aus dieser Expansion entwickelt sich schließlich die barocke Übersteigerung. Alles wird größer, dichter und intensiver. Auch die Musik folgt dieser Bewegung.
Danach löst sich diese Übersteigerung in etwas auf, das wir den Spiegelraum nennen. Alles wird wieder reduzierter und ruhiger, bis wir schließlich zur ursprünglichen Achse und damit wieder zur Vermessung des Raumes zurückkehren.
So schließt sich der Kreis. Es gibt eigentlich keinen Anfang und kein Ende – sondern einen Kreislauf aus Ordnung, Expansion, Übersteigerung, Auflösung und Rückkehr.
Besonders stark finde ich dabei die letzte Antwort, weil sie die Arbeit sehr anschaulich erklärt und gleichzeitig verständlich macht, warum „Liminal“ nicht einfach eine Projektion auf eine Grotte ist, sondern mit dem gesamten Raum und seiner Wahrnehmung arbeitet.
 


Biografie

Seit mehr als 20 Jahren sind die Grazer Volker Sernetz, Stefan Sobotka-Grünewald und Lia Rädler als Film- und Projektionskünstler tätig. Neben Video- und Filmproduktionen sind sie mit ihren Großformat-Projektionen sowohl national als auch international erfolgreich aktiv.

OchoReSotto schaffen Licht- und Soundinstallationen auf Fassaden oder lassen Räume buchstäblich in einem anderen Licht erscheinen. Ihre Projektionskunst setzt das Trio auch für permanente Installationen wie in Museen und Showrooms ein oder in Kombination mit Architektur und im öffentlichen Raum.