3

Museum of the Moon

Luke Jerram

Es ist ein gewaltiger Anblick, der sich beim Eintritt in den Schwarzenberggarten eröffnet: der Mond. Luke Jerrams Lichtskulptur Museum of the Moon zeigt eine Nachbildung des Mondes mit sieben Metern Durchmesser. Jeder Zentimeter bildet etwa fünf Kilometer der Mondoberfläche nach, deren Krater, Berge und Täler für Betrachtende sichtbar werden. Im hier Erlebbaren verschmelzen NASA-Aufnahmen des Mondes mit sanftem Mondlicht, das vom Inneren heraus strahlt, akustisch ergänzt um eine Surround Sound-Komposition des mehrfach ausgezeichneten Komponisten Dan Jones.  

Das Projekt „Museum of the Moon“ wurde in mehr als 300 Ausstellungen in circa 30 Ländern gezeigt und begeisterte bereits Millionen von Menschen. Von Ort zu Ort ändert sich dabei die Interpretation der Betrachtenden – einerseits ein Zeichen unserer kulturellen Unterschiede, andererseits Beweis, wie sehr der Mond Menschen über alle Grenzen hinweg berührt und dadurch verbindet.  
 

Im Mond liegt eine kulturübergreifende Faszination. Er inspiriert Religionen, Musik, Poesie und Literatur, prägt so viele unserer Märchen und Legenden. […] Wo immer unsere Reise hingeht, die Interpretation des Werkes ist stets ein wenig anders


Lichtblicke
von der Idee zum Werk

Was uns der Mond von sich, vor allem aber über uns selbst erzählt 

Worin liegt die Besonderheit des Mondes, Luke?  
Wir Menschen blicken seit 200.000 Jahren zum Mond hinauf. Er ist Teil unserer Menschheitsgeschichte und beeinflusst seit jeher die unterschiedlichsten Kulturen weltweit. In ihm liegt eine kulturübergreifende Faszination. Er inspiriert Religionen, Musik, Poesie und Literatur, prägt so viele unserer Märchen und Legenden. Natürlich ist der Mond für manche Völker nur ein Himmelskörper, für andere ist er aber weit mehr. Diese unterschiedliche kulturelle Bedeutsamkeit des Mondes spiegelt sich allein in der Sprache wider: Zum Beispiel ist der Mond im Französischen weiblich, im Deutschen männlich. In China erzählt man von Kaninchen im Mond, in Europa sehen wir eine Gesicht in der Oberfläche und sprechen vom „Mann im Mond“.  

Sind diese kulturellen Unterschiede auch in der Rezeption deines Kunstwerkes bemerkbar? 
Sogar sehr deutlich! Wir haben das Projekt „Museum of the Moon“ bisher in über 30 Ländern, von Amerika über Europa, Indien bis China gezeigt. Wo immer unsere Reise hingeht, die Interpretation des Werkes ist stets ein wenig anders. In den Vereinigten Staaten denken die Menschen an die Apollo-Mondmissionen der NASA, für indische Hinduist:innen ist der Mond vor allem von religiöser Bedeutung und in China feiert man ihn als Teil des Mittherbstfestes. Für mich sind diese verschiedenen, kulturell bedingten Geschichten von großem Interesse.  

Wir erfahren durch die Installation also nicht nur etwas über den Mond, sondern vor allem auch über uns selbst.  
Dies ist auch der Grund, warum ich das Projekt „Museum of the Moon“ genannt habe. Es ist ein Projekt, das so viel Wissenswertes an die Oberfläche bringt – natürlich über den Mond selbst, aber auch über uns als Menschen. Es ist aber nicht nur die Kultur alleine, die die Interpretation beeinflusst. Auch der Ort verändert, wie wir diese künstlerische Monddarstellung wahrnehmen. In einem Wissenschaftsmuseum interpretieren wir das Projekt vor allem wissenschaftlich, in einer Kirche schwingt immer eine Art Transzendenz mit. Dort denken wir plötzlich an den Ursprung des Universums, an das Göttliche im Mond oder sogar an unsere eigene Beziehung zu Gott. Eine besonders rührende Situation hatte ich mit einem kleinen Mädchen, das zu mir kam und mich fragte, ob ich den Mond nach der Ausstellung wohl wieder zurückbringen würde. Sie dachte, ich hätte ihn gestohlen. Auch so etwas löst dieses Werk aus!  

Was hat dich zum „Museum of the Moon“ inspiriert? 
Ich wohne in Bristol, wo es den zweithöchsten Tidenhub Europas gibt. Zwischen Ebbe und Flut liegen 15 Meter Höhenunterschied! Wie wir wissen, ist dafür der Mond verantwortlich. Eines Tages, als ich mit dem Fahrrad über den Fluss fuhr, fiel mir dieser Tidenhub erstmals so richtig auf. Das brachte mich auf die Idee, ein Kunstwerk zu erschaffen, das ebenso vom Mond inspiriert und beeinflusst ist. Das Besondere am „Museum of the Moon“: In der Realität sehen wir niemals die dunkle Seite des Mondes. Das Projekt ermöglicht es den Besucher:innen, um den Mond herumzugehen und einen Blick auf seine Rückseite zu werfen.  
 


Biografie

Luke Jerrams schafft mit seiner multidisziplinären Praxis Skulpturen, Installationen und Live-Kunstprojekte. Er lebt in Großbritannien, arbeitet jedoch seit 25 Jahren international und konnte mit seinem Kunstprojekten Menschen auf der ganzen Welt inspirieren und begeistern.