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Portal

Alfredo Barsuglia

Im Alltag können wir zumeist nicht ohne Weiteres die Seite wechseln, bei Klanglicht im Park - The Sound of Light gelingt es mit wenigen Schritten: 
Der Regenbogen als Tor in eine andere Wirklichkeit

Mit seiner Installation Portal lässt der in Graz geborene Künstler Alfredo Barsuglia Besucher*innen sowohl einen physischen als auch einen gedanklichen Wechsel vornehmen. Mit bunten Glühbirnen weist er ihnen den Weg dorthin.
 

„Man betritt für einen Moment eine andere Wirklichkeit - oder vielleicht auch den Raum der eigenen Wünsche und Sehnsüchte, die wir seit jeher auf den Regenbogen projizieren.“


Trotz der Größe und leuchtenden Farben der Installation, die weit durch die Nacht sichtbar sind, vermittelt Barsuglias Regenbogen Intimität. Dazu trägt auch das begleitende Märchen bei: Direkt unter dem Regenbogen wird die Liebesgeschichte zweier Wesen erzählt, die ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten überwinden und zueinander finden. Damit thematisiert das Werk auch Offenheit, Toleranz und Diversität. 


Lichtblicke
von der Idee zum Werk

Mit seiner Installation Portal verwandelt Alfredo Barsuglia den Regenbogen in einen Ort, den man nicht nur sehen, sondern tatsächlich durchschreiten kann. Im Schwarzenberggarten am Belvedere wird die Arbeit zum poetischen Eingang in eine andere Wirklichkeit – begleitet von einer eigens komponierten Klangarbeit und einer Geschichte über Sehnsucht, Vielfalt und das Überschreiten von Grenzen. Im Gespräch erzählt Alfredo Barsuglia von Widersprüchen, Märchen und der Kraft des Lichts.
 

Portal war bereits vor einigen Jahren zu sehen. Hat die Arbeit heute noch dieselbe Aktualität?
Ja, ich glaube sogar, dass sie nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Die Themen Toleranz, Sehnsucht und die Suche nach einer anderen, vielleicht besseren Welt begleiten die Menschen seit jeher. Man könnte sagen: Seit Menschengedenken suchen wir den Schatz am Ende des Regenbogens. Wir wünschen uns oft, der Realität zu entfliehen oder etwas zu finden, das jenseits unseres Alltags liegt. Vielleicht ist das auch ein Merkmal unserer Gesellschaft – dass wir häufig nicht ganz zufrieden sind mit dem, was wir haben.
 

War das der Ausgangspunkt für deine Entwicklung von Portal?
Der Ausgangspunkt war eigentlich ein Widerspruch: ein Regenbogen, der in der Nacht leuchtet. Ein Regenbogen ist etwas, das man nachts normalerweise gar nicht sehen kann. Solche Gegensätze interessieren mich sehr. Mich reizt die Vorstellung, etwas sichtbar zu machen, das eigentlich unsichtbar ist.
Der Regenbogen ist heute außerdem ein starkes Symbol für Diversität, Offenheit und Toleranz. Mich faszinierte die Idee, dass dieses Symbol eine solche Strahlkraft besitzt, dass es selbst die Dunkelheit erhellen kann.
Gleichzeitig wollte ich den Regenbogen aus seiner Unerreichbarkeit befreien. Normalerweise kann man sich ihm nie nähern – er bleibt immer in der Ferne. In Portal kann man ihn plötzlich durchschreiten, fast berühren. Das hat etwas Märchenhaftes. In vielen Geschichten überschreitet man einen Regenbogen und gelangt in eine andere Welt. Hier wird diese Metapher für einen kurzen Moment real.
 

Die Installation besteht nicht nur aus Licht, sondern auch aus einer Klangarbeit. Welche Rolle spielt sie?
Der Regenbogen steht für etwas Traumhaftes und Märchenhaftes. Neben seiner heutigen Symbolik von Vielfalt und Offenheit wollte ich diese poetische Ebene ebenfalls erlebbar machen.
Deshalb gibt es eine Geschichte, die ausschließlich hörbar wird, wenn man sich dem Regenbogen nähert und ihn durchschreitet. Aus der Entfernung hört man nichts. Erst wenn man sich darauf einlässt, öffnet sich diese zweite Ebene der Arbeit. Das ist für mich auch eine schöne Metapher: Man sieht zunächst nur etwas Faszinierendes. Erst wenn man näherkommt, beginnt man zu verstehen, worum es eigentlich geht.
Das Märchen erzählt von einem Fisch und einer Landschildkröte – zwei Wesen aus völlig unterschiedlichen Welten. Für einen kurzen Moment begegnen sie einander und verlieben sich. Der Fisch erkennt jedoch, dass er an Land nicht überleben kann und in seine Welt zurückkehren muss. Es ist eine absurde Liebesgeschichte, aber gerade diese Absurdität erzählt etwas über die Vielfalt des Lebens und darüber, dass Begegnungen möglich sind, obwohl Welten zunächst unvereinbar erscheinen.
 

Portal bildet im Schwarzenberggarten am Belvedere den Eingang zum Rundgang. Passt dieser Ort besonders gut zur Arbeit?
Ja, das finde ich sehr passend. Einen Regenbogen kann man in Wirklichkeit nie durchschreiten. Er zeigt sich immer nur aus der Distanz. Gerade deshalb hat dieses Hindurchgehen etwas Märchenhaftes. Man betritt für einen Moment eine andere Wirklichkeit – oder vielleicht auch den Raum der eigenen Wünsche und Sehnsüchte, die wir seit jeher auf den Regenbogen projizieren.
Der barocke Garten verstärkt diesen Gedanken zusätzlich. Er war selbst ein Ort der Inszenierung, voller Überraschungen, Sichtachsen, Labyrinthe und verborgener Räume. Interessanterweise spielte im Barock auch das Bodenfeuerwerk eine große Rolle. Feuer- und Lichteffekte gehörten zu den großen Festen und passten hervorragend in diese Gartenanlagen. Insofern fügt sich eine Lichtinstallation wie Portal auf ganz natürliche Weise in diesen historischen Kontext ein.
 

Wie wünschst du dir, dass die Besucherinnen und Besucher deine Arbeit erleben?
Ich hoffe, dass sie den Regenbogen schon aus der Ferne erkennen und neugierig werden. Vielleicht denken sie zunächst: So einen Regenbogen habe ich noch nie gesehen. Dann nähern sie sich ihm und erleben die Überraschung, dass unter dem Bogen plötzlich eine Geschichte hörbar wird.
Diese Geschichte wird von einer Frauen- und einer Männerstimme gesprochen. Die Stimmen vermischen sich jedoch so stark, dass man oft gar nicht mehr unterscheiden kann, wer gerade spricht. Auch der Klang selbst bewegt sich entlang der Form des Regenbogens – wie eine Welle, die von einer Seite zur anderen wandert.
Ich wünsche mir, dass die Menschen einen Moment innehalten, zuhören und sich auf diese unerwartete Begegnung einlassen. Und vielleicht begleitet sie diese kleine Liebesgeschichte noch ein Stück auf ihrem weiteren Weg durch den Park.
 


Biografie

Alfredo Barsuglia, geboren 1980 in Graz, lebt und arbeitet in Wien. 

Barsuglia erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Monsignore Otto Mauer Preis (2019), das Staatsstipendium für bildende Kunst (2017), den Kunstförderungspreis der Stadt Wien (2015), den Theodor Körner Preis (2013), den Kunstförderungspreis der Stadt Graz (2007) und das MAK-Schindler-Stipendium in Los Angeles (2006). 

Seine Arbeiten wurden unter anderem im Lentos, Linz (2023), in der Dominikanerkirche, Museum Krems und donaufestival (2023), in der Pinakothek der Moderne, München (2022), im Kunsthaus Graz (2021), im Museum of Estonian Architecture in Tallinn, Estland (2021), in der Kunsthalle Esch, Luxemburg (2020), im Kunstforum Wien (2019), im MMKK Museum Moderner Kunst Kärnten, Klagenfurt (2018), im MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien (2015), im MACRO – Museo d'Arte Contemporanea di Roma / Testaccio (2014), im ARTPLAY Design and Architecture Center, Moskau (2011) und im mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien (2010) gezeigt. 

In zahlreichen Projekten im öffentlichen Raum wie bei Social Pool (2014) in der Mojave Wüste, bei Mariainsel (2018) in Fürstenfeld, bei Abriss (2021) in Graz oder bei Back to Now, einem Projekt für die Europäische Kulturhauptstadt 2024 im Salzkammergut beschäftigt er sich mit gesellschaftlichen Werten und den Grenzen und Übergängen zwischen Öffentlichem und Privatem.  

 


Credits


Installation: 
Alfredo Barsuglia

Sound Design and Sound Engineer: 
Stefan Voglsinger

Stimmen:
Luisa Schwab und Željko Marović aus dem Ensemble des Schauspielhaus Graz