Klanglicht 2023
Klanglicht 2023
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Brocken 5.6

Yasuhiro Chida

Inspired by the mysterious natural phenomenon known as the Brocken spectre, Yasuhiro Chida created the interactive installation Brocken 5.6: beams of light enter the dark space through thousands of holes, creating the illusion that the light is following the people inside.

My work is a metal cube with 50,000 tiny holes in the walls and ceiling. The light comes from outside, and inside the cube you can experience the light itself, which is the main phenomenon of the work.

Chida’s works explore the sensory perception of our environment, the changes that occur within it, and the ways in which we respond to them. In 2019, the Japanese artist was named by Artdex as one of the world’s nine most remarkable digital artists, alongside Ólafur Eliasson and James Turrell.


Spotlight
from Idea to Artwork

Deine Installation Brocken 5.6 wirkt auf den ersten Blick sehr reduziert. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher, wenn sie den Kubus betreten?
Im Zentrum der Arbeit steht die Leere. Wenn man den Kubus betritt, befindet sich dort eigentlich nichts. Das ist ein großer Unterschied zu klassischen Kunstwerken wie Gemälden oder Skulpturen, denen man als Betrachter gegenübersteht.
In meiner Arbeit gibt es kein Objekt, auf das man schaut. Stattdessen befindet man sich mitten in einem Phänomen. Der Kubus besteht aus Metall, seine Wände und die Decke sind mit etwa 50.000 winzigen Öffnungen versehen. Das Licht dringt von außen ein und wird selbst zum eigentlichen Material der Installation.
Interessant ist, dass auch diese kleinen Öffnungen leer sind. Man könnte also sagen: Die Leere entsteht durch Leere.

Der Schwarzenberggarten war einst ein barocker Garten, der mit sorgfältig komponierten Szenerien arbeitete. Deine Installation schafft darin einen ganz eigenen Raum. War dieser Ort eine Inspiration für dich?
Ja, dieser Gedanke gefällt mir sehr. Mich interessiert, einen eigenen Raum innerhalb eines größeren Raumes zu schaffen. Sobald man den Kubus betritt, verändert sich die Wahrnehmung. Obwohl man sich noch immer im Park befindet, fühlt sich der Ort plötzlich ganz anders an.
Der barocke Garten lenkte den Blick bewusst durch den Raum. Meine Installation macht das Gegenteil. Sie lädt dazu ein, den Blick nicht in die Ferne zu richten, sondern die Aufmerksamkeit auf das Licht selbst und auf die eigene Wahrnehmung zu lenken. Für einen Moment entsteht ein stiller Ort mitten im Schwarzenberggarten.

Deine Arbeiten leben von Licht, Raum und natürlichen Phänomenen. Warum sind dir gerade diese so wichtig?
Ich weiß, dass mein eigenes Denken Grenzen hat. Jeder Mensch hat nur eine begrenzte Vorstellungskraft, ganz gleich, wie intelligent er ist. Deshalb arbeite ich lieber mit realen Phänomenen als mit etwas, das ich vollständig kontrollieren kann.
Wenn Licht auf Material und Raum trifft, passiert immer etwas Unerwartetes. Genau das interessiert mich. Würde ich alles kontrollieren, könnten die Besucherinnen und Besucher die Arbeit vollständig verstehen. Aber dann gäbe es nichts mehr zu entdecken.

Du sprichst oft davon, dass deine Arbeiten nicht vollständig verstanden werden sollen.
Ja. Ich glaube nicht, dass Kunst alle Antworten geben muss.
Ich vergleiche das manchmal mit den Wellen des Meeres. Man kann sehr lange auf sie schauen, obwohl sie keine Botschaft vermitteln. Ihre Bewegung ist so komplex, dass man sie nie vollständig begreift. Gerade deshalb bleibt sie faszinierend.
Wenn ein Kunstwerk vollständig erklärbar wäre, hätte man es irgendwann verstanden und würde weitergehen. Mich interessiert das Gegenteil: Ich möchte einen Ort schaffen, an dem Menschen verweilen, weil sich das Erleben nicht vollständig in Worte fassen lässt.

Viele Künstlerinnen und Künstler sprechen von ihren Inspirationsquellen. Wie entstehen deine Arbeiten?
Eigentlich werde ich nicht von etwas Bestimmtem inspiriert. Ich arbeite sehr viel mit meinen Händen und baue meine Installationen selbst.
Während dieses Prozesses entstehen die eigentlichen Ideen. Das ist mein Geheimnis. Würde ich die Arbeit an andere abgeben, würde ich genau diese Momente verpassen. Die Inspiration kommt nicht vor der Arbeit – sie entsteht während der Arbeit.
 

Was wünschst du dir, dass die Besucherinnen und Besucher aus Brocken 5.6 mitnehmen?
Ich hoffe nicht, dass sie etwas Bestimmtes verstehen.
Ich wünsche mir vielmehr, dass sie einen Moment erleben, in dem sie ihre Umgebung anders wahrnehmen als zuvor. Dass sie entdecken, wie sich Licht anfühlen kann, wenn man ihm wirklich Aufmerksamkeit schenkt – und dass selbst ein scheinbar leerer Raum voller Erfahrungen sein kann.


Biography

Yasuhiro Chida is a Japanese light artist. He studied architecture in Tokyo and creates large-scale installations in public spaces and natural landscapes. His works have been shown in Europe since 2015. The central theme of Yasuhiro Chida’s work is the physical and sensory perception of our environment and the ways in which we respond to change.

Influenced by his personal experiences of mountaineering, ice climbing, and caving, he explores this particular awareness of space in nature, as well as powerful physical and sensory impressions, in his immersive installations. Often using remarkably simple means, the artist creates striking experiences in public spaces.

In 2019, Yasuhiro Chida received the Audience Award at the International Light Art Award in Unna, Germany. He is also developing his own art museum, the Museum of Spatial Art in Tatsuno, Nagano, Japan.